Ihr Apotheker schreibt

Tinnitus, die lästigen Ohrgeräusche!

Ein schwieriges Thema mit steigender Wichtigkeit.

Unter Tinnitus versteht man die anhaltende oder wiederkehrende subjektive Wahrnehmung eines Tons oder Geräuschs ( Pfeiffen, Klingeln, Rauschen, Brummen oder Sägen), wobei andere Personen diesen Ton oder Geräusch nicht hören können. Sie können kontinuierlich oder unterbrochen sein, an- und abschwellen sowie ihre Frequenz modulieren. Viele Betroffene erleben Tinnitus als sehr belastend.

Vorbeugende Maßnahmen, mit deren Hilfe ein Tinitus verhindert werden könnte, sind nicht bekannt.

Häufige Folgen sind Schlafstörungen, Angstzustände und Depressionen, die den Lebensaltag einschränken.Es entsteht ein Teufelskreis, da diese Symptome zu weiterem Stress führen und den Tinnitus verstärken.

Der Auslöser für die Mißempfindung kann im Innenohr oder im Gehirn liegen. Als chronischer Verlauf gelten Beschwerden, die über 12 Monate anhalten.

Grundsätzlich gilt: die Erfolge einer Therapie sind umso besser, je früher der Tinnitus behandelt wird. Schätzungen zufolge hatten etwa 35% bis 45% der Bevölkerung schon einmal ein Ohrgeräusch, das jedoch nur vorübergehend auftrat. Ein richtiger Tinitus, also anhaltende Ohrgeräusche, kommt dagegen erheblich seltener vor. Er kann in jedem Lebensalter auftreten und betrifft rund 5% bis 7% Prozent aller Erwachsenen. Frauen erkranken häufiger daran als Männer. Wegen der zunehmenden Lärmbelastung, etwa durch laute Musik, tritt Tinnitus zunehmend häufiger auch unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis zum 30. Lebensjahr auf.

Tinnitus kann aber auch als Begleiterscheinung unterschiedlicher Erkrankungen auftreten und verschiedene Bereiche des Ohrs betreffen, wie beispielsweise – den GEHÖRGANG: durch zuviel Ohrenschmalz – das MITTELOHR: durch einen Trommelfelldefekt oder Paukenerguß oder die Mittelohrentzündung    – das INNENOHR: durch Hörsturz, Knalltrauma, lärmbedingte Störungen, Altersschwerhörigkeit, Medikamente oder Minderdurchblutung des Innenohrs – letztendlich zentrale oder unklare Lokalisation: Hirnhautentzündung, Tumor des Hörnerven, Bluthochdruck, zu niedriger Blutdruck, Multiple Sklerose, emotionale Belastungssituation wie (Stress, Überforderung, Angst).

So entsteht ein Tinnitus:

Entstehung im Hörnerv:

Im Normalzustand entstehen in den Nervenfasern des Hörnervs spontane elektrische Impulse, die nicht wahrgenommen werden. Durch äußere Töne ( Sprache, Musik …) ändert sich die Spontanaktivität des Hörnervs und wir nehmen das Geräusch wahr. Im krankhaften Zustand ist die Spontanaktivität vermindert oder in zeitlicher Abfolge verändert. Man vermutet, dass dies den Tinnitus verursacht.

Der zentrale Tinitus:

Hier werden die vom Hörnerven übermittelten Informationen im Gehirn falsch verarbeitet. Schuld sind spezielle Haarzellen im Innenohr.Es entsteht ein nicht vorhandenes Geräusch.

Tinnitus durch Stress:

Durch Stress schüttet der Körper mehr Hormone aus. Das Kortisol als typisches Stresshormon verengt die Blutgefäße und verschlechtert die Fließeigenschaften des Blutes. Kleine Verklumpungen des Blutes in feinsten Blutgefäßen führen zu deren Verschlüssen. Das Innenohr wird dann nicht mehr ausreichend durchblutet.

So wird der Tinnitus behandelt:

Ein akuter Tinnitus wird, wenn seine Ursache im Innenohr liegt oder nicht bekannt ist, in der Regel durch die mehrtägige Gabe von Glukokortikoiden behandelt. Zusätzlich werden Infusionen mit Blutverdünnern verabreicht. In manchen Fällen erhalten die Betroffenen ein Beruhigungsmittel. Bleibt diese Behandlung ohne Erfolg, schließt sich eine hyperbare Sauerstoffterapie an. Die größten Erfolgsausichten in der Behandlung von Ohrgeräuschen bestehen, wenn die Maßnahmen so früh wie möglich, günstigenfalls innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem Ergeignis durchgeführt werden.

Auch bei subakutem ( 3 bis 12 Monate anhaltendem Tinitus) und chronischem Tinnitus erfolgt die eben genannte Therapie. Darüber hinaus erhalten die Betroffenen ein spezielles Hörgerät, einen so genannten Tinnitus-Masker. Dieser überdeckt den Tinnitus durch ein Rauschen. Daneben spielt Psychotherapie bei der Behandlung eine große Rolle. Durch das Erlernen von Entspannungstechniken sollen die Betroffenen lernen, einerseits Stresssituationen besser zu beherrschen und andererseits den Tinnitus zu überhören. Letzteres geschieht durch Konzentration auf andere Geräusche. Der Versuch einen Tinnitus zu kontrollieren, führt oft zu einer starken Fixierung der Betroffenen auf die Ohrgeräusche, die sich dadurch nochmehr in den Vordergrund drängen. Zu empfehlen sind Entspannungstechniken wie Autogenem Training oder Yoga.

So durchlaufen Tinnitus-Betroffene mitunter eine Vielzahl verschiedener Therapien, ohne dass die Ohrgeräusche vollständig verschwinden. In diesem Fall ist es wichtig, dass die Betroffenen lernen mit dem Tinnitus zu leben. Auf diesen Ansatz stützt sich die so genannte Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) nach Jastreb.

Die Theorie ( grob vereinfacht ): Tinnutus ist eine Überreaktion des Gehirns auf Signale des Innenohrs. Zunächst harmlose Ohrgeräusche würden so mit negativen Assoziationen und körperlichen Stressreaktionen verbunden, welche wiederum eine Verstärkung des Tinnitus hervorriefen. Die TRT unterbricht diesen Teufelskreis. Sie versucht, das Gehör gegenüber den Ohrgeräuschen zu desensibilisieren. Der unbewusste Wahrnehmungskreislauf zwischen Ohr und Gehirn wird unterbrochen und das Gehör umtrainiert ( retrainiert). Die Therapie umfaßt 6 Beratungen, die sich über einen Zeitraum von 12 – 18 Monaten verteilen. Zusätzlich werden in den meisten Fällen Noiser angepasst. Dies sind Tongeber, die wie kleine Hörgeräte hinter dem Ohr getragen werden. Sie produzieren ein leises Geräusch, das den Tinnitus teilweise verdeckt und dem Gehirn eine Gewöhnung an die Ohrgeräusche ermöglicht. Durch die Kombination aus Beratung und Noiser lernt das Gehirn wieder, normal auf Reize aus dem Innenohr zu reagieren, sodass der Tinnitus seine negative Bedeutung verliert.

Ein Rat vom Apotheker:

Wir empfehlen die regelmäßige Verwendung von Gingko-Präparaten. Diese bewirken eine optimierte Durchblutung des Innenohres und können so einen Tinnitus im Sinne einer Heilung günstig beeinflussen.

Danke fürs Lesen, ihre Apotheke am Kreideberg